Die Dinglerwerke

1827: Gründung einer mechanischen Werkstatt

1954: Übernahme durch die Demag AG

Die Gründungsjahre unter Christian Dingler

Christian Dingler[Bild: Dingler'sche Maschinenfabrik Zweibrücken: Hundert Jahre Dingler. Geschichte und Entwicklung der Werke. Ihr heutiger Stand. Ihre Erzeugnisse. Mannheim 1927.]

Christian Nikolaus Dingler wurde 1802 als Sohn eines evangelischen Schlossers geboren. Er lernte in der väterlichen Werkstatt und im Elsass die Grundkenntnisse des Schlosserberufs und machte sich zusammen mit seinem älteren Bruder Johann Heinrich auf Wanderschaft. Aus der Ferne zurückgekehrt gründete er 1827 eine mechanische Werkstatt in einem vom Vater übernommenen Betrieb. Dort begann er mit ca. zehn Arbeitern Öl- und Schneidmühlen herzustellen. Im nächsten Jahr heiratete Dingler Friederike Bauer, deren Vater der Verleger Georg Ritter war. [Anm. 1]

Durch den familiären Kontakt mit dem Verlagswesen begann Dingler sich mit der Technik von Druckpressen zu beschäftigen, die zu dieser Zeit vor allem aus England und den USA importiert wurden. Dabei entwickelte er eine unter dem Namen „Zweibrücker Presse“ oder „Dinglerpresse“ bekannte Handpresse mit Kniehebel, die täglich ca. 2.000 Drucke fertigen konnte. Sie wurde in hoher Stückzahl produziert und bis in die Schweiz und nach Schweden geliefert. Da seine Werkstatt zu klein für einen Fabrikationsbetrieb war, erwarb Dingler 1834 den Gutshof „Schönhof“ zur Erweiterung seiner Werkstatt, zu einem Preis von 7.000 Gulden. [Anm. 2] In der bayerischen Pfalz verkehrten bis 1847 keine Eisenbahnen, aber der Bau der ersten deutschen Eisenbahn 1835 bewog Dingler dazu, die Produktion von Eisenbahnwagen aufzunehmen. Diese mussten mit Pferdewagen zur nächsten Eisenbahnstation in Homburg transportiert werden, um sie zu verschicken. Die schlechte Verkehrsinfrastruktur veranlasste den Unternehmer schließlich dazu, seine Werkstatt unabhängiger von der Belieferung mit Rohstoffen zu machen, indem er seine eigene Eisen- und Metallgießerei erbauen ließ, die er im Jahr 1840 in Betrieb nahm. [Anm. 3]

Eine Dingler'sche Kniehebelpresse aus dem Jahr 1845[Bild: Clemens Pfeiffer, Wien]

1838 erhielt Christian Dingler einen Brief aus Wien von seinem älteren Bruder Heinrich, der sich dort sesshaft gemacht und einen Betrieb gegründete hatte. Heinrich, der die neunte Dampfmaschine in Wien besaß, sandte seinem Bruder Pläne zum Bau einer eigenen Dampfmaschine. 1843 schließlich verließen die erste 20 PS-starke Balancierdampfmaschine und der erste Dampfkessel, an dem zwei Mitarbeiter neun Monate lang gearbeitet hatten, den Schönhof. Durch die notwendig gewordene Erweiterung des Werkes sah sich Dingler gezwungen, nach technischer Unterstützung zu suchen. Er stellte 1848 Professor Louis Seelinger von der polytechnischen Schule Augsburg als technischen Direktor ein, unter dessen Leitung das Werk mit einer großen Schmiede mit Schweißofen ausgestattet wurde und die Produktion von Wasserrädern und Turbinen zur Fertigung von Öl- und Mahlmühlen aufgenommen wurde. [Anm. 4]

Im Juni 1853 veranlassten die königlichen bayerischen Behörden wegen Verdachts revolutionärer Aktivitäten eine gerichtliche Untersuchung der Dinglerwerke und teilten Dingler vor ihrem ergebnislosen Ende mit, dass er im Wiederholungsfalle all seine ausländischen Mitarbeiter zu entlassen habe. Dingler wies sämtliche Anschuldigungen zurück und drohte der Regierung, bei weiteren Störungen die Stadt samt seiner dann liquidierten Fabrik zu verlassen. Die Regierung ließ sich davon aber nicht abschrecken und Dingler musste seine Drohung im August zurückziehen, woraufhin der Fall zu den Akten gelegt wurde. [Anm. 5] Aus anderen Quellen geht jedoch hervor, dass Christian Dingler ein überzeugter Republikaner war, der sowohl Wahlaufrufe wie auch die Produktion von Waffen zum Sturz der königlichen Regierung in Betracht zog. [Anm. 6] Es scheint einleuchtend, dass Dingler als Produzenten von Druckerpressen auch ein wirtschaftliches Interesse dazu motivierte, gegen die Einschränkung der Pressefreiheit zu arbeiten. Neben dem Ritter-Verlag in Zweibrücken belieferte Dingler deutschlandweit unter anderem den Musikverlag Breitkopf & Härtel, den Lexikon-Verleger Brockhaus, und den Goethe-Verleger Cotta. [Anm. 7]

Lageplan des Werksgeländes von 1860[Bild: Dingler'sche Maschinenfabrik Zweibrücken: Hundert Jahre Dingler. Geschichte und Entwicklung der Werke. Ihr heutiger Stand. Ihre Erzeugnisse. Mannheim 1927.]

Ebenfalls 1853 zerstörte ein verheerender Brand einen großen Teil der Dinglerschen Fabrik, inklusive 17 fertigen Eisenbahnwagen und Teilen für ca. 100 weitere Waggons. Damit das Werk seine Arbeit wiederaufnehmen konnte, machten sich Dingler und Seelinger in den nächsten sechs Wochen an die Arbeit zum Wiederaufbau der Fabrik. Der Betrieb umfasste in diesem Jahr insgesamt 13.000 m², von denen 5.000 m² überbaut waren, und beschäftigte 120 Arbeiter. [Anm. 8] Im Jahr 1855 wurde von Seelinger zum Fabrikdirektor ernannt und erhielt zukünftig fünf Prozent der Gewinne. [Anm. 9] Im Jahr 1857 erfolgte der Anschluss Zweibrückens ans Eisenbahnnetz. Im selben Jahr trat der 29-jährige Ingenieur Johann Baptist Wolff in die Firma ein und heiratete Johanna Dingler, die Tochter von Christian Dingler. Ihr Ehevertrag beinhaltete eine Schenkung der Eltern an ihre Tochter, darunter ein Drittel des Schönhofs und der auf dem Grundstück betriebenen Einrichtungen. [Anm. 10]

Im Jahr 1858 erwarb Christian Dingler das ehemalige Rathaus von Zweibrücken und begann es um ein drittes Stockwerk zu erweitern, um es später zu beziehen. Christian Dingler starb am 18. Dezember 1858 im Alter von 56 Jahren.

Die Generation der Nachfolger: Julius Dingler, Johann Baptist Wolff und Prof. Seelinger

Nach dem Tod Christian Dinglers ging die Führung des Unternehmens auf seinen 24-jährigen Sohn Georg Julius Dingler, der gerade in England praktische Kenntnisse sammelte, und J. B. Wolff über. Julius Dingler wurde in der Fabrik bekannt für seinen strengen patriarchischen Führungsstil: Er kannte seine Mitarbeiter persönlich und duzte sie oder sprach sie mit Vornamen an. Wenn ihm die Arbeit von jemandem missfiel, stampfte er mit seinem Gehstock auf den Boden, was ihm den Spitznamen „Dampfhammer“ einbrachte. Er scheute sich auch nicht davor, Gewalt anzuwenden, wenn er der Meinung war, dass seine Arbeiter faulenzten. [Anm. 11]

Georg Julius Dingler Senior[Bild: Dingler'sche Maschinenfabrik Zweibrücken: Hundert Jahre Dingler. Geschichte und Entwicklung der Werke. Ihr heutiger Stand. Ihre Erzeugnisse. Mannheim 1927.]

Das Unternehmen begann in den kommenden Jahren, seine Dampfmaschinen zu modernisieren. Dies war möglich aufgrund der Einstellung eines 22-jähriger Ingenieur namens Ludwig Ehrhardt im Jahr 1860, der sich in kurzer Zeit vom Zeichner zum Oberingenieur hocharbeitete. Die von ihm weiterentwickelten Dampfmaschinen beindruckten die Jurys bei den Weltausstellungen in London 1862 und in Paris 1867. Die mit zwei Zylindern ausgestattete Dingler-Doppeldampfmaschine bekam auf der Weltausstellung in Wien 1873 die höchste Auszeichnung und verkaufte sich trotz ihres hohen Preises gut. Sie setzte einen für damalige Verhältnisse hohen Dampfdruck von zehn bar ein. Ehrhardt verließ das Unternehmen 1876, um in Saarbrücken seine eigene Firma, Ehrhardt & Sehmer, zu gründen. [Anm. 12]

Der Sieg von Preußen über Frankreich im Krieg von 1870/71 und die damit einhergehende Gründung des Deutschen Kaiserreiches brachten einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung, von dem auch die Dinglerwerke profitierten. Die Werksanlagen wurden um einen Hochofen erweitert und die Produktionspalette durch Bergwerksmaschinen, Gasbehälter und Dampfmotoren ergänzt. Da die Industrialisierung seit der Jahrhundertmitte zu einer Überproduktion geführt hatte, korrigierten sich die Preise bis in die 1890er Jahre, eine Periode bekannt als die „Gründerkrise“. Diese Verminderung der Gewinne, die von Unternehmern und Aktionären als Depression empfunden wurde, führte aber keineswegs zu einer Verringerung der Produktion. An der Arbeiterzahl von Dingler zwischen 1873 (ca. 250) und 1891 (ca. 450) kann man beispielhaft sehen, dass das Unternehmen von der Krise trotz der Konjunkturempfindlichkeit seiner Branche wenig betroffen war. Ab den 1890er Jahren begann dann in den westlichen Industriestaaten eine Phase der Hochkonjunktur. [Anm. 13]

Georg Julius Dingler Junior[Bild: Dingler'sche Maschinenfabrik Zweibrücken: Hundert Jahre Dingler. Geschichte und Entwicklung der Werke. Ihr heutiger Stand. Ihre Erzeugnisse. Mannheim 1927.]

Die Dingler-Fabrik in Zweibrücken erfuhr 1891 eine erhebliche Vergrößerung, als der alte Bahnhof der Bahnlinie nach Homburg gekauft wurde. Damit erhielt die Fabrik einen eigenen Gleisanschluss. Außerdem wurden eine Großgießerei mit Modellschreinerei und Modellhaus gebaut. Nachdem die elektrische Beleuchtung bereits 1882 in allen Werkstätten eingeführt wurde, ging man 1892 auch zur elektrischen Stromversorgung über. [Anm. 14] Nachdem es einem Ingenieur namens Wilhelm Schmidt 1890 gelang, einen Durchbruch in der Steigerung des Dampfdruckes zu erzielen, als er die Verwendung des überhitzten Dampfes in die Dampfmaschine einführte, 1894 erwarb Dingler ihm die Patentrechte für die Heißdampf-Technik ab, die künftig in seinen Dampfmaschinen und Dampfkesseln zum Einsatz kam. [Anm. 15]

Die Dingler‘sche Maschinenfabrik wurde 1897 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, deren Aktienkapital 2,8 Millionen Mark betrug und auf 2.800 Aktien mit dem Wert von jeweils 1.000 Mark aufgeteilt war. J. B. Wolff und Julius Dingler bildeten zusammen mit dessen gleichnamigen Sohn den Aufsichtsrat, Wolff wurde Vorsitzender. Knapp zwei Jahre später, am 24. Januar 1899, starb Julius Dingler senior im Alter von 65 Jahren. [Anm. 16]

Die Dinglerwerke im 20. Jahrhundert

Die ersten Vorstandsmitglieder waren Victor Laeis, der Schwiegersohn von Julius Dingler senior, und der Niederländer Johannes F. Meyes, der seit 1879 der technische Direktor der Fabrik war. Professor Seelinger, der den Posten schon 1860 an Ehrhardt abgegeben hatte, aber immer noch großen Einfluss auf die Fabrik ausübte, verstarb am 8. März 1881. Nachdem auch J.B. Wolff am 12. Juli 1907 verstarb, wurde Julius Dingler junior in den Vorstand berufen. Mit dem Ausscheiden von Meyes aus dem Unternehmen 1908 war der zweite Generationenwechsel in der Führung abgeschlossen. [Anm. 17]

Herstellung von Geschosshülsen, 1915[Bild: Historisches Museum der Pfalz, Speyer & Ehrenamtsgruppe HMP Speyer CC BY-NC-SA]

Nach einer weiteren Vergrößerung der Fabrik fokussierte man sich auf die Anlagen für die Nassreinigung von Hochofengasen und baute bis 1910 90 dafür vorgesehene Anlagen. Im selben Jahr wurden 50 Hochöfen erbaut und der 5.000ste Dampfkessel verließ das Werk. In den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg lagerte das Werk mehr als die Hälfte seiner Produktion ins Ausland aus, darunter China, Italien und Südamerika. [Anm. 18]

Das Dinglerwerk produzierte während des Ersten Weltkrieges Stahl für die Rüstungsindustrie. Nach Kriegsende wurde das linksrheinische Gebiet durch Frankreich besetzt. Das Unternehmen erlebte seine bisher schwerste Krise. Aufgrund von Lieferengpässen und der hohen Inflation, die im Jahr 1923 ihren Höhepunkt erreichte, befanden sich die Dinglerwerke in einer schwierigen Situation. Um den Kundenstamm im nun zum französischen Zollgebiet gehörigen Saarland nicht zu verlieren, versuchte man dort ein Tochterwerk in Bierbach zu errichten. Die Firmenleitung schaffte es aber nicht, das Werk in vollem Umfang betriebsbereit zu machen. Das Mutterwerk in Zweibrücken musste daraufhin im Oktober 1925 den Betrieb einstellen und die Geschäftsaufsicht zur Abwendung des Konkurses beantragen. Um sich aus der Krise zu retten, wurde die Produktion unprofitabler Erzeugnisse aufgegeben, mehrere Abteilungen geschlossen und eine Sanierung durch Kredite finanziert. Als die Geschäftsaufsicht März 1926 aufgehoben wurde, war die Arbeiteranzahl auf nur noch 500 geschrumpft. Im kommenden Jahr wurde an der Modernisierung der beiden Werke gearbeitet, sodass die Belegschaft zum 100-jährigen Jubiläum des Unternehmens wieder auf 1.200 Arbeiter angewachsen war. [Anm. 19]

Dingler im Dritten Reich

Julius Dingler junior, der 1926 wieder in den Aufsichtsrat gewechselt hatte, starb am 12. Februar 1936 im Alter von 71 Jahren. Ab 1933 etablierte die NSDAP mit ihrem Führer Adolf Hitler eine menschenverachtende und aggressive Diktatur. Entlang der französischen Grenze wurde ab 1936 der Westwall errichtet, der das deutsche Gegenstück zur Maginot-Linie darstellte. In dieser vom Feind bedrohten „Roten Zone“, die Zweibrücken und die Dinglerwerke miteinschloss, wurden Unternehmen und die Bevölkerung ab dem Kriegsbeginn im September 1939 zwangsevakuiert. Dingler verlegte seine Verwaltung nach Worms und errichtete einen industriellen Auffangbetrieb in der mitteldeutschen Stadt Ilsenburg. Hier verblieb nach dem Ende des Westfeldzugs ein Zweigwerk von Dingler. [Anm. 20] Nach dem raschen Sieg im Sommer 1940 konnte Dingler nach Zweibrücken zurückkehren.

Lageplan des Werksgeländes von 1916[Bild: Dingler'sche Maschinenfabrik Zweibrücken: Hundert Jahre Dingler. Geschichte und Entwicklung der Werke. Ihr heutiger Stand. Ihre Erzeugnisse. Mannheim 1927.]

Aus den Bilanzen der Firma ist ersichtlich, dass der Betrieb zum Beginn der NS-Zeit trotz der verbesserten Beschäftigung gegenüber der Weltwirtschaftskrise 1929 mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Ab 1935 wurden jahrelang bescheidene Gewinne erzielt. Das Maschinenbauunternehmen entwickelte in der NS-Zeit neue Produkte u.a. für die Rüstungsindustrie, darunter Windkanäle für die Luftfahrt, Druckkörper für U-Boote und Straßenfertiger für die Autobahnen. Bis 1945 stammten die meisten Straßenfertiger auf den Reichsautobahnen von Dingler und erbauten ca. 80% der Autobahnen. Ab 1942 stiegen die Gewinne in Folge der Rüstungsaufträge im Zuge der von Deutschland ausgehenden Aggression. Um dem kriegsbedingten Fachkräftemangel etwas abzuhelfen, stellte das Werk immer mehr Frauen ein und setzte ausländische Arbeiter ein. Kurz vor Kriegsende wurden die Stadt Zweibrücken und auch die Dinglerwerke durch Luftangriffe und Artilleriebeschuss der Alliierten großen Teilen zerstört. [Anm. 21]

Entnazifizierung

Nach dem Sieg wollten die Besatzungsmächte den Einfluss des Nationalsozialismus im öffentlichen Leben, der Wirtschaft und im Erziehungswesen bekämpfen. Die Amerikaner entwickelten das sogenannte Spruchkammerverfahren, bei dem die deutsche Bevölkerung in fünf Gruppen einzuteilen war: Hauptschuldige, Belastete, Minderbelastete, Mitläufer und Entlastete. Die Spruchkammern ordneten dann die jeweiligen Sühnemaßnahmen an, darunter den Arrest in einem Internierungslager, Vermögensentzug, Amtsverlust und Berufsverbot.  Die sowjetischen Besatzer, die die Entnazifizierung in ihrer Zone noch konsequenter durchführten, enteigneten die Produktionsmittel des Adels und Besitzbürgertums, darunter auch das Werk in Ilsenburg, von dem Dinglers Anteil 1946 als Reparationsleistung demontiert wurde. [Anm. 22]

Dingler hatte nach dem Krieg eine große Anzahl von Aufträgen erhalten, erhielt aber 1947 eine Mitteilung von der Regierung, dass im Rahmen der Entnazifizierung 79 Führungskräfte entlassen oder zurückgestuft werden sollten, während 59 andere Geldstrafen bis zu 20 000 RM erhalten sollten. Nach diesem Bescheid, hätte es bei Dingler nahezu keine führenden Angestellten mehr gegeben, weswegen das Unternehmen sofort Einspruch einlegte. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Dr. Kurt Jochum verhinderte die Ausführung des Urteils, indem er sich persönlich an die Militärregierung und der Industrie- und Handelskammer der Pfalz wendete. Die vorgesehene Auflösung des Vermögens der Dinglerwerke konnte 1948 verhindert werden, als die Vertreter der Geschäftsführung in die Gruppe der Mitläufer eingestuft wurden und somit nicht mehr unter dem Säuberungsspruch der Landesverordnung von 1947 fielen. Die Dinglerwerke, bestehend aus ihrem Hauptwerk in Zweibrücken und dem Zweigwerk in Bierbach, wurden 1954 in die Demag AG eingegliedert. Die Gießerei, die Christian Dingler vor über 120 Jahren errichtet hatte, um seinen Guß nicht mit Pferdewagen transportieren zu müssen, wurde 1960 aus Kostengründen stillgelegt und über ihr eine schwarze Flagge gehisst. [Anm. 23]

Verfasser: Nikolos Davit Lindner

Erstellt am: 25.03.2020

Quellen und Literatur:

  • Benz, Wolfgang. Deutschland unter alliierter Besatzung 1945-1949/55. Bd. 22, in Handbuch der deutschen Geschichte, von Wolfgang Benz und Michael Scholz, S. 104-124. Berlin, 1999.
  • Dinglersche Maschinenfabrik Zweibrücken. Hundert Jahre Dingler: (1827-1927); Geschichte u. Entwicklung d. Werke; ihr heutiger Stand; ihre Erzeugnisse;. Mannheim: Walther, 1927.
  • Krebs, Friedrich. „Der Zweibrücker Revolutionär Christian Wilhelm Nicolaus Dingler.“ In Pfälzer Heimat, S. 60-61. Speyer: Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, 1966.
  • Ludwig, Hans. Die Industrialisierung Zweibrückens "Die Dinglerwerke": Zweibrücken (Pfalz), Bierbach (Saar), Ilsenburg (Harz) und Polysius (Sachsen-Anhalt); Ein Stück deutscher Industriegeschichte. Zweibrücken: Selbstverlag, 1992.
  • Schreiber, Rudolf. „Christian W. N. Dingler zwischen Revolution und Reaktion : ein Nachhall zum Pfälzer Aufstand von 1849 in der Westpfalz.“ In Zweibrücken, 600 Jahre Stadt : 1352 - 1952, von Historischer Verein Zweibrücken, S. 205-218. Zweibrücken: Historischer Verein Zweibrücken, 1952.
  • Wehler, Hans-Ulrich. Deutsche Gesellschaftsgeschichte: Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849–1914. Bd. 3. München: C.H. Beck, 1995.

Anmerkungen:

  1. Ludwig, Hans: Die Industrialisierung Zweibrückens "Die Dinglerwerke": Zweibrücken (Pfalz), Bierbach (Saar), Ilsenburg (Harz) und Polysius (Sachsen-Anhalt); ein Stück deutscher Industriegeschichte .../ Zweibrücken 1992, S. 6ff.  Zurück
  2. Ebd., S. 38ff.  Zurück
  3. Ebd, S. 45ff; Vgl. Hundert Jahre Dingler: (1827-1927); Geschichte u. Entwicklung d. Werke; ihr heutiger Stand; ihre Erzeugnisse; Dinglersche Maschinenfabrik Zweibrücken. - Mannheim: Walther (1927), S. 14f.  Zurück
  4. Ludwig, Industrialisierung, S. 6 u. 48ff.  Zurück
  5. Schreiber, Rudolf: Christian W. N. Dingler zwischen Revolution und Reaktion: ein Nachhall zum Pfälzer Aufstand von 1849 in der Westpfalz. In: Zweibrücken, 600 Jahre Stadt: 1352 - 1952 / hrsg. vom Historischen Verein Zweibrücken. - Zweibrücken, 1952, S. 208ff.  Zurück
  6. Krebs, Friedrich: Der Zweibrücker Revolutionär Christian Wilhelm Nicolaus Dingler. In: Pfälzer Heimat – Jahrgang 17, Heft 2 (1966), S. 60f.  Zurück
  7. Ludwig, Industrialisierung, S. 111.  Zurück
  8. Hundert Jahre Dingler, Dinglersche Maschinenfabrik, S. 15.  Zurück
  9. Ludwig, Industrialisierung, S. 170.  Zurück
  10. Ebd., S. 150ff.  Zurück
  11. Ebd., S. 173ff.  Zurück
  12. Ludwig, Industrialisierung, S. 181ff.  Zurück
  13. Ebd., S. 199f; vgl. Wehler, Hans-Ulrich: Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849–1914 (Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Band 3), München 1995, S. 100ff u. 547ff.  Zurück
  14. Hundert Jahre Dingler, Dinglersche Maschinenfabrik, S. 19; Vgl. Ludwig, Industrialisierung, S. 201.  Zurück
  15. Hundert Jahre Dingler, Dinglersche Maschinenfabrik, S. 20.  Zurück
  16. Ludwig, Industrialisierung, S. 266.  Zurück
  17. Ebd., S. 178, 191, 283 u. 315.  Zurück
  18. Hundert Jahre Dingler, Dinglersche Maschinenfabrik, S. 21.  Zurück
  19. Ebd., S. 24f u. 33.  Zurück
  20. Ludwig, Industrialisierung, S. 313, 353, 382 u. 397f.  Zurück
  21. Ebd., S. 387, 414, 421ff u. 432.  Zurück
  22. Ludwig, Industrialisierung, S. 401f u. 439f; Vgl. Benz, Wolfgang: Deutschland unter alliierter Besatzung 1945-1949/55 (Handbuch der deutschen Geschichte, Band 22), Berlin 1999, S. 104ff.  Zurück
  23. Ludwig, Industrialisierung, S. 443ff, 477 u. 482.  Zurück