Wirth "Der Kinderladen" Mainz

1925: Gründung der Wäschefabrikation Wirth & Rühe in Mainz

1929: Eröffnung des "Kinderladen" in Mainz

Das Spielwarenhaus[Bild: Wirth "Der Kinderladen"]

Am 1. April des Jahres 1875 begründet Louis Demmler im Hause Eberhardstraße 16 am Marktplatz zu Ludwigsburg die Einzelhandelstradition der Familie Demmler. Der Geschäftsaufschwung verläuft im Tempo der Gründerzeit. 1905 übernehmen sein Sohn Hermann und dessen Ehefrau Johanna geb. Remppis das Manufakturwarenhaus. Zu jener Zeit wird das Demmler'sche Haus auch zur Ausbildungsstätte von Söhnen württembergischer Textil-Fabrikanten und Einzelhandels-Kaufleuten. Ab 1925 führt nach dem frühen Tode ihres Mannes Johanna Demmler die Firma fort. Johanna Demmler, von ihren Brüdern, Konsul Ferdinand und Bankdirektor Emil Remppis, unterstützt, die schwere Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre und leitet die Firma erfolgreich bis in ihr hohes Alter. Ihr Sohn Heinrich wendet sich, seinem Talent folgend, der graphischen Ausbildung und erhält 1938 den Reichssiegerpreis im Berufswettkampf. Kurz darauf holt ihn die Wehrmacht. Er erlebt den gesamten Afrikafeldzug als Panzerkompagniechef und im Stabe des Afrikakorps. Erst 1948 kehrt er aus der Kriegsgefangenschaft in die Heimat zurück.

Wickelkurs in der Babyetage des Textilhauses[Bild: Wirth "Der Kinderladen"]

1925 übernimmt Andreas Wirth die Wäschefabrikation Wirth & Rühe, welche er drei Jahre zuvor mitbegründet hatte. Er spezialisiert die Firma auf die Herstellung von Kinderbekleidung. Seine Frau Elisabeth, Meisterin des Weißzeugnäherinnenhandwerkes, leitet den technischen Betrieb mit ca. 40 Mitarbeitern und ebensovielen Heimarbeiterinnen. 1929 wird von Andreas und Elisabeth Wirth "Der Kinderladen" eröffnet und im Zeichen der beginnenden Wirtschaftsdepression der krisenfestere Einzelhandel aufgebaut. "Der Kinderladen" gilt als Novum im Sprachgebrauch. Vielfach belächelt und als irreführende Firmenbezeichnung zum Eintrag ins Handelsregister abgelehnt, erlangt der Name jedoch in seiner sprachlichen Kuriosität bald Verkehrsgeltung. Zu dieser Zeit werden Angebot, Bedarf und Produktion über die Reichskleiderkarte diktiert. 1943, nach Abschluß der höheren Textilfachschule in Mönchengladbach, tritt Margot Wirth als persönlich haftende Gesellschafterin in die Firma ein. Nun gelingt auch der Eintrag des Firmenzusatzes "Der Kinderladen". 1945 folgen Teilzerstörung, Plünderung, und das Überleben in Trümmern.

Der Behelfsbau in der Schillerstraße[Bild: Wirth "Der Kinderladen"]

Heinz Demmler und Margot Wirth beschließen am 20. Juni 1948, dem Tag der Währungsreform, bei einer wirtschaftlichen Parität von je DM 40,- Handgeld, den Geschäftsaufbau. Unter schwierigsten Auflagen der Besatzungsmacht wird im zerstörten Münsterplatzbereich der erste Ladenbau (s. Foto) von Heinz Demmler erstellt und das Spielwarenhaus Schillerstr. 48 gegründet.

Zwei Jahre nach dem Behelfsbau wird am 26. August 1950 nach einer Bauzeit von knapp drei Monaten das sechsgeschossige Spielwarenhaus eröffnet. Der Sütterlin-Schriftzug wird in Lateinschrift umgesetzt. 1957 wird der Ausbau des nebenan liegenden Anwesens Große Bleiche 4 realisiert, wobei beide Geschäfte unter einem Dach vereinigt werden. Der Kinderladen ist nun Mitglied der Einkaufsverbände VEDES Nürnberg und ARDEK Wallau. 1969 wird die Aufstockung des Hauses Große Bleiche 4 um drei weitere Etagen genehmigt. Im Jahr 1975 überreicht der Bürgermeister von Mainz, Jockel Fuchs, Wirth die Jupitersäule der Stadt Mainz als Auszeichnung.

Wirth "Der Kinderladen" Mainz