Unternehmensgeschichte von Diehls Hotel

1919: Gründung des Restaurants mit Café in Ehrenbreitstein

1923: Aufnahme des Hotelbetriebs

Das neue Restaurant und Café Rheinterrasse auf einer Postkarte[Bild: Hotelarchiv Diehls Hotel]

Der bis heute bestehende Familienbetrieb Diehls Hotel ist direkt am Rheinufer im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein gelegen. Begründet wurde das heutige Hotel von dem gelernten Koch August Diehl,[Anm. 1] der zuvor im gleichen Stadtteil das Hotel Rath selbstständig betrieben hatte. Am 1. Juni 1919[Anm. 2] erwarb er das im Jahre 1904 erbaute Civilcasino[Anm. 3] mit direktem Blick auf den Rhein und führte es von diesem Zeitpunkt zunächst als Restaurant und Café namens „Rheinterrasse“.[Anm. 4]

Zeichnung der Rheinterrasse nach Fertigstellung des Umbaus 1928[Bild: Hotelarchiv Diehls Hotel]

Die ersten Um- und Anbaumaßnahmen erfolgten 1923. Sie beinhalteten den Einzug einer Decke in dem Gebäude.[Anm. 5] Die neue Etage schaffte zusätzliche Räume für vier Gästezimmer[Anm. 6] und lässt vermuten, dass hiermit der Hotelbetrieb aufgenommen wurde. Weitere Umbaumaßnahmen folgten 1928: August Diehl ließ die Außenterrasse mit direktem Blick auf den Rhein überbauen und weitere 15 Gästezimmer einrichten.[Anm. 7] Der Ausbau der Gästezimmer von einer Anzahl von vier auf 15 hatte auch weitere Auswirkungen auf den Betrieb des August Diehl. Das bisherige Restaurant und Café Rheinterrasse erhielt nach Abschluss dieses Ausbaus den Namenszusatz Hotel.

Antwortschreiben von August Diehl an das Amtsgericht über die tatsächlichen Hotelzahlen[Bild: Hotelarchiv Diehls Hotel]

Genauere Zahlen über den Hotelbetrieb werden aus dem Schriftverkehr zwischen August Diehl und dem Landgericht, Kammer für Handelssachen, ersichtlich. Die Industrie- und Handelskammer erhob am 2. März 1937 Beschwerde in Bezug auf einen fehlenden Eintrag in das Handelsregister, da August Diehl bis dahin seinen Betrieb als Kleingewerbe angemeldet hatte.[Anm. 8] Durch die Offenlegung der Hoteldaten; im Rahmen der Handelsregisterverfahrens wird ersichtlich, dass das Hotel Rheinterrasse im Jahr 1937 saisonal, neben August Diehl und seiner Ehefrau, über 4-9 Angestellte, 30 Gästebetten und ein Anlage- und Betriebskapital von 72.888,81 RM verfügte.

Beleg der französischen Beschlagnahmung 1945-1945[Bild: Hotelarchiv Diehls Hotel]

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs brachte auch im Hotel Rheinterrasse einen Umbruch mit sich. Augusts drei Söhne Franz, Martin und Werner wurden in den Krieg eingezogen. [Anm. 9] Belegt ist der Einzug des Sohnes Franz am 1. September 1936 in die Wehrmacht. Eine politische Nähe zur damaligen NSDAP ist derzeit nicht belegt und nach Aussage des heutigen Geschäftsführers Hans-Joachim Mehlhorn gibt es keine Belege einer Parteimitgliedschaft der NSDAP der Familie Diehl.[Anm. 10] Neben den regulären[Anm. 11] Festivitäten im Hotel wurden ebenso Feste und Bälle für die in Koblenz stationierten Offiziere.[Anm. 12] Ab April 1944 begann der verstärkte Bombenangriff auf Koblenz, von dem das Hotel weitestgehend unversehrt blieb und nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Zuge der französischen Besatzung von diesen am 5. August 1945 beschlagnahmt wurde.[Anm. 13] 1946 kehrte Franz Diehl aus seiner Gefangenschaft in Italien dank einer geglückten Flucht zurück.[Anm. 14]

Fotoaufnahme 1954. Aus dem Hotel Rheinterrassen wurde Diehls Hotel Rheinterrassen[Bild: Hotelarchiv Diehls Hotel]

Während der Rittersturzkonferenz, die vom 8. – 10. Juli 1948 in Koblenz abgehalten wurde, war August Diehl mit seinen Angestellten angehalten, die Verpflegung der Teilnehmer übernehmen.[Anm. 15] Die französische Besetzung des Hotels endete am 15. Oktober 1948. Aufgrund des Fehlens und der Beschädigung von Hotelinventar stellte August Diehl Anfang 1950 vor dem Landesentschädigungs- gericht einen Antrag auf Entschädigung für erlittene Besatzungsschäden. Im Zuge der Verhandlungen wurden August Diehl letztlich 14.580 DM bewilligt.[Anm. 16]

Arbeitsvertrag zwischen August und Franz Diehl (S. 1)[Bild: Hotelarchiv Diehls Hotel]
Arbeitsvertrag (S. 4)[Bild: Hotelarchiv Diehls Hotel]

Nach Abzug der französischen Besatzer aus dem Hotel und Restaurant stieg der älteste Sohn von August Diehl offiziell in den Hotelbetrieb ein, obwohl dieser bereits zuvor im Familienbetrieb gearbeitet hatte.  Ein Arbeitsvertrag zwischen Franz und August Diehl belegt den offiziellen Beginn des Arbeitsverhältnisses am 1. Januar 1957.

Pachtvertrag[Bild: Hotelarchiv Diehls Hotel]

Zu diesem Zeitpunkt wurde das Hotel Rheinterrasse in Diehls Hotel Rheinterrasse umbenannt. Am 1. Januar 1967 übernahm Franz Diehl gemeinsam mit seiner Frau Helene das Unternehmen seines Vaters in zweiter Generation. Gegen einen monatlichen Pachtzins in Höhe von 3.500 DM inklusive der einmaligen Inventarablösesumme von 1.000 DM, löste er seinen Vater offiziell als Hotelier ab und änderte den Namen auf Diehls Hotel.

Fotoaufnahme des Hotels nach dem Um- und Anbaumaßnahmen 1961[Bild: Hotelarchiv Diehls Hotel]

Kurz nach der Übernahme des Familienbetriebs erfolgte ein umfassender Um- und Ausbau des Hotels. Die Fassade wurde vereinheitlicht, ein zweigeschossiger Anbau 1968 fertiggestellt und die Kapazität auf 100 Betten erweitert. [Anm. 17] 1971 erfolgte der Bau eines Schwimmbadbereichs mit weiteren 16 Doppelzimmern, Ende der 1980er Jahre kamen ein Tagungsraum sowie eine weitere Etage mit acht weiteren Hotelzimmern hinzu. [Anm. 18] 1992 übernahmen Gisela, die jüngste Tochter von Franz, sowie ihr Ehemann Hans-Joachim Mehlhorn das Hotel und erweiterten es um zwei weitere Tagungsräume.[Anm. 19] Heute verfügt Diehls Hotel über 68 Zimmer mit insgesamt 120 Betten.[Anm. 20]

Panoramaaufnahme Ehrenbreitsteins, Diehls Hotel rechts im Bild[Bild: Leonid Andronov]

von Saskia Jung, Juli 2020


Anmerkungen:

  1. August Diehl, geb. am 13.09.1882, war vom 03. Mai 1900 bis zum 23. September 1901 Kochlehrling bei dem Kölner Hoflieferant Bettger. Zurück
  2. Vgl.: Kallenbach, Reiner: Wir feiern 75. Koblenz, 1994, S. 3. Zurück
  3. Das Civilcasino wurde 1904 für die bis heute bestehenden Casinogesellschaft erstellt. Zurück
  4. Eine Postkarte des Restaurants und Cafés bestätigt den Namen „Rheinterrasse“. Die zum Hotel gehörige Außenterrasse direkt am Rhein ist der Namensgeber des damaligen Restaurants und Cafés. Zurück
  5. Vgl. Kallenbach, Wir feiern 75, S. 3 f. Zurück
  6. Diese Zahl ist zurückzuführe auf die Aussage des heuten Geschäftsführern Hans-Joachim Mehlhorn und Gisela Mehlhorn-Diehl. Zurück
  7. Vgl. Kallenbach, Wir feiern 75, S. 4. Zurück
  8. Der Schriftverkehr des Landesgerichts zwischen dem Diehls Hotel und der Industrie- und Handelskammer zeigt den eigentlichen Umfang des Hotelbetriebs in Zahlen. Zurück
  9. Vgl. Kallenbach, Wir feiern 75, S. 10. Zurück
  10. Hans-Joachim Mehlhorn übernahm mit seiner Frau Gisela Diehl-Mehlhorn den Hotelbetrieb 1992. Zurück
  11. Geburtstage, Jubiläen u.ä. Zurück
  12. Kallenbach, Wir feiern 75, S. 10. Zurück
  13. Im Rahmen einer Schadenserhebung seitens August Diehl aufgrund fehlender Inventare im Hotel. Das Schrift stück belegt die genaue Besatzungszeit der Franzosen im Hotel. Zurück
  14. Kallenbach, S. 10. Zurück
  15. Ebd. Zurück
  16. Nach längeren Verhandlungen und Auflistung der Bestände mit Kostenaufstellung entschied das Landesentschädigungsgericht zugunsten August Diehl. Zurück
  17. Kallenbach, Wir feiern 75, S. 17. Zurück
  18. Ebd. Zurück
  19. Ebd. Zurück
  20. Allgemeine Hotelinformationen auf der Startseite der Diehls Hotel Hompage: https://www.diehls-hotel.de/Zurück