Schwartz-Storchen AG

1860er Jahre: Begründung der Brauerei „Zum neuen Brauhaus“ durch Heinrich Schwartz

1886: Gründung der „bayerischen Bierbrauereigesellschaft vormals Heinrich Schwartz“

1969: Übernahme der Aktienmehrheit an der Schwartz-Storchen AG durch die Eichbaum-Werger-Brauereien AG, Mannheim

Heinrich Schwartz, der Begründer der gleichnamigen Brauerei

Der Braumeister Heinrich Schwartz (1833-1899) war der Gründer der Vorläufer der Brauerei Schwartz-Storchen AG in Speyer. Vor der Gründung war dieser in den Brauereien „Zur Sonne“ und „Zum Storchen“ tätig, die ebenfalls in Speyer ansässig waren.[Anm. 1] Obwohl er selbst finanziell keine gute Ausgangslage hatte, konnte er aufgrund der Qualität seines Bieres und des damit einhergehenden Absatzes schließlich Kredite erlangen, um die heruntergewirtschaftete Brauerei „Zum Weißen Bären“ von Michael Abel in der Korngasse in Speyer aufzukaufen. Das Gebäude wurde abgerissen und ein neues gebaut, das zunächst den Namen „Zum neuen Brauhaus“ trug. [Anm. 2] Das anschließend dort gebraute Bier fand großen Absatz und da die Schwartz'sche Brauerei zu diesem Zeitpunkt nur ein Pferd besaß, mussten die Kunden das Bier selbst dort abholen, was allerdings dem Absatz keinen Abbruch tat. [Anm. 3] Schon 1865/66 wurden 4.000 hl Bier produziert. [Anm. 4] Aufgrund des steigenden Bierausstoßes und der nicht mehr genügenden Produktionskapazitäten wurde die Brauerei nach und nach vergrößert. Zunächst wurde das benachbarte Hermann'sche Anwesen erworben. [Anm. 5] Doch auch dieses bot schon bald nicht mehr genügend Platz. Daher wurden die nahe gelegenen Kellereien des Priesterseminars und darüber hinaus weitere Keller auf dem Rosenstein und an der Dudenhofener Straße gepachtet. 1870 war erneut die Fläche der Brauerei zu klein und Heinrich Schwartz errichtete bis 1827 einen Neubau zwischen der Oberen und Unteren Langgasse, da er in der Altstadt kein passendes Grundstück finden konnte. Daraufhin wurden die Räumlichkeiten der alten Brauerei zum Ausbau der Wirtschaftsräume verwendet.[Anm. 6]

Die Einführung von Eismaschinen Anfang der 1880er Jahre sorgte für große Umwälzungen im Brauereigewerbe und stellte für die einzelnen Brauereien eine hohe finanzielle Belastung dar, die nicht jeder Betrieb stemmen konnte. Deshalb gründete Heinrich Schwartz 1886 eine Aktienbrauerei unter dem Namen „bayerische Bierbrauereigesellschaft vormals Heinrich Schwartz“, wodurch im gleichen Jahr der Erwerb der ersten Eismaschine, einer neuen Dampfkesselanlage und des ersten neuen Dampfsudwerks in der Pfalz ermöglicht wurde. Durch die Neuanschaffungen stieg der Bierausstoß an, der 1887 etwa 35.000 hl betrug.[Anm. 7] 1895 zog sich Heinrich Schwartz, der seit Januar 1880 auch als Stadtrat tätig war, schließlich aus gesundheitlichen Gründen zurück. Er verblieb allerdings bis zu seinem Tod im Aufsichtsrat seiner Brauerei.[Anm. 8]

Stich der Brauerei Schwartz-Storchen[Bild: Privatbrauerei Eichbaum]

Sein ältester Sohn, der ebenfalls Heinrich hieß, übernahm die Firma. Seine nur kurz andauernde Tätigkeit führte bis 1898 zu finanziellen Erfolgen. Seine Nachfolge traten der jüngere Bruder Wilhelm Schwartz und Heinrich Iffinger, der schon lange im Unternehmen tätig war, an. Unter ihrer Führung steigerte sich der Bierausstoß weiter bis zu seinem vorläufigen Höhepunkt 1914.[Anm. 9] In diesem Jahr gelang der Brauerei etwas Besonderes: Am 22. Juli übernahm sie die Brauereien Storchen A.G. und gründete Brauerei Schwartz-Storchen AG. Dies ist deshalb so bemerkenswert, weil hierbei die kleinere Brauerei (ca. 54.000 hl Ausstoß) eine Brauerei mit einem annähernd doppelt so hohen Bierausstoß (ca. 99.000 hl Ausstoß) geschluckt hatte. Trotz des beginnenden Ersten Weltkrieges wurden nötige Umbauten und Erneuerungen in der ehemaligen Storchenbrauerei begonnen. Darunter fällt unter anderem die Anschaffung einer modernen Faß- und Flaschenfüllanlage. Schließlich wurde die Kapazität auf 180.000 hl jährlich gesteigert, die somit um circa 20 Prozent höher war als der Bierausstoß beider Brauereien zusammen vor dem Krieg. Dabei ist jedoch fraglich, ob der Ausstoß in gleichem Maße zugenommen hat.[Anm. 10] Neben Schwartz-Storchen gab es 1914 in Speyer lediglich noch fünf weitere Brauereien: eine große, „Zur Sonne“, und vier kleine, „Landauer Tor“, „Alte Pfalz“, „Anker“ und „Sternemoos“. Der Anker braute von den kleinen Brauereien am längsten und fand sein Ende erst einige Jahre vor dem der Brauerei Schwartz-Storchen. Die anderen drei schlossen schon in den zwanziger Jahren ihre Pforten.[Anm. 11]

Durch den Ausgang des Kriegs wurden laut der Schwartz-Storchen-Chronik pfälzische Brauereien besonders belastet, denn die Absatzbeziehungen zu Elsaß-Lothringen und später auch zum Saargebiet gingen verloren. Hinzu kam die Abtrennung des rechten Rheinufers über einen langen Zeitraum, was zum Verlust einer großen Anzahl von Kunden führte. Diese negativen Umstände und die Inflation führten dazu, dass die Brauerei „Zur Sonne“ sich ihrer Existenzgrundlage beraubt sah und sich gegen den lokalen Marktführer nicht durchsetzen konnte. Deshalb bot sie der Brauerei Schwartz-Storchen AG die Fusion an, die 1921 vollzogen wurde.[Anm. 12] Hans Jacobsen von der Brauerei „Zur Sonne“ wurde neues Mitglied im Vorstand. Die Produktion und Einrichtung der alten Brauerei wurde übernommen und die Gebäude an die Kahlbaum AG in Berlin verkauft.[Anm. 13] Die ökonomische Lage führte dazu, dass auch die Schwartz-Storchen AG ihr Aktienkapital um 70 Prozent herabsetzen musste. Von 1924 bis 1929 ging es für die Brauerei wirtschaftlich kurzzeitig wieder bergauf. Im Frühjahr 1926 starb Heinrich Iffinger, der im Oktober des gleichen Jahres 40-jähriges Dienstjubiläum gehabt hätte. Im Geschäftsjahr 1929/30 wurden die Biersteuer und die Gemeindebiersteuer zusammen um 7,85 RM angehoben, obwohl diese Steuern erst zwei Jahre vorher um 4,80 RM erhöht worden waren. Da die Kaufkraft der Bevölkerung zum damaligen Zeitpunkt stark geschwächt war und zudem Wein günstiger als Bier war, ging der Bierabsatz in Baden und der Pfalz katastrophal zurück. Der Absatzverlust im Geschäftsjahr 1932/33 gegenüber 1928/29 betrug etwa 67 Prozent. Nach 1933 nahm der Absatz jedoch wieder zu.[Anm. 14]

Während viele kleinere Brauereien die beschriebenen Umstände nicht so gut verkrafteten, konnte Schwartz-Storchen diese vergleichsweise gut kompensieren, da zu besseren Zeiten Rücklagen gebildet worden waren und auch bei der Aufnahme von Krediten vorsichtig vorgegangen worden war. Nach Jacobsens Tod 1928 übernahm Schwartz die gesamte Betriebsführung. Dabei wurde er von seinem Stellvertreter Alfred Sanner und Betriebsleiter Adalbert Bub unterstützt. Im Januar 1936 trat Wilhelm Schwartz nach 44 Jahren zurück und wurde stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Den neuen Vorstand bildeten Bub und Sanner.[Anm. 15] Am 1. April 1936 wurde die Lieferung ins Saargebiet wieder aufgenommen, wo noch ein alter Kundenstamm vorhanden war. In der Chronik der Brauerei Schwartz-Storchen wird von einem guten Verhältnis zwischen Betriebsführung und Gefolgschaft gesprochen. 1936 waren 47 von 146 Mitarbeitern zwischen fünf und zehn Jahren im Betrieb, 46 hatten eine Betriebszugehörigkeit von bis zu 20 Jahren und 38 waren sogar schon seit über 20 Jahren tätig.[Anm. 16]

Leider waren weder Quellen noch Literatur zu finden, die Aufschluss über den Zeitraum zwischen der Veröffentlichung der Schwartz-Storchen-Chronik (1936) bis Ende der sechziger Jahre, in denen Eichbaum schließlich die Brauerei Schwartz-Storchen AG übernimmt, geben. Es ist wünschenswert, dass diese Lücke noch geschlossen wird.

Seit 1966 verschlechterte sich die Lage zunehmend. Der Bierabsatz der Brauerei war rückläufig.[Anm. 17] 1969 erwarb Eichbaum die Aktienmehrheit an der Brauerei Schwartz-Storchen, was zur Fusion mit der Eichbaum-Werger Brauereien AG führte. Eichbaum hielt zu dieser Zeit 92,3 Prozent des Kapitals der Brauerei Schwartz-Storchen AG.[Anm. 18] 1970 wurde die Abfüllung nach Mannheim verlegt und die Brauerei in Speyer stillgelegt. Diese Verlagerung war durchaus eine bemerkenswerte Leistung, denn die Produktionsmenge, die in Mannheim integriert werden musste, betrug etwa 90.000 hl.[Anm. 19] Die Mehrheit der Mitarbeiter konnte dabei übernommen werden. Diejenigen, für die das nicht galt, bekamen an die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das Alter und die persönlichen Verhältnisse angepasste Abfindungen.[Anm. 20]

Damit verschwand auch die letzte Brauerei Speyers.[Anm. 21] Allerdings werden die alten Räume in der Korngasse noch immer als Gastwirtschaft mit dem Namen „Alte Schwartz'sche Brauerei“ genutzt.[Anm. 22]

von Leonie Rieger, April 2014

Anmerkungen:

  1. Vgl. Schwartz-Storchen 1936, S. 28; Hopstock 2005, S. 25. Zurück
  2. Vgl. Hopstock 2005, S. 25; Schwartz-Storchen 1936, S. 28. Zurück
  3. Vgl. Schwartz-Storchen 1936, S. 28. Zurück
  4. Vgl. Drüppel, Adolf et. al. 1992, S. 82. Zurück
  5. Vgl. Schwartz-Storchen 1936, S. 28.  Zurück
  6. Vgl. Schwartz-Storchen 1936, S. 28-29; Hopstock 2005, S. 25. Zurück
  7. Vgl. Schwartz-Storchen 1936, S. 29; Drüppel et. al. 1992, S. 83. Zurück
  8. Vgl. Schwartz-Storchen 1936, S. 29; Hopstock 2005, S. 26. Zurück
  9. Vgl. Schwartz-Storchen 1936, S. 29; Hopstock 2005, S. 26. Zurück
  10. Vgl. Schwartz-Storchen 1936, S. 32-33; Drüppel et al. 1992, S. 83. Zurück
  11. Vgl. Groh 1970. Zurück
  12. Vgl. Drüppel et al. 1992, S. 83; Hopstock 2005, S. 26. Zurück
  13. Vgl. Schwartz-Storchen 1936, S. 33. Zurück
  14. Vgl. Schwartz-Storchen 1936, S. 33-34. Zurück
  15. Vgl. Schwartz-Storchen 1936, S. 36. Zurück
  16. Vgl. Schwartz-Storchen 1936, S. 36. Zurück
  17. Vgl. Schwartz-Storchen 2001. Zurück
  18. Vgl. Drüppel et al. 1992, S. 333, 318. Zurück
  19. Vgl. Drüppel/Caroli 2012, S. 92; Drüppel et al. 1992, S. 287-288. Zurück
  20. Vgl. Drüppel/Caroli 2012, S. 94; Drüppel et al. 1992, S. 88. Zurück
  21. Vgl. Groh 1970. Zurück
  22. Vgl. Hopstock 2005, S. 25. Zurück