Die Zuckerwarenfabrik L. Goebel, Mainz

1877: Gründung in Mainz

1912: Geschäftsübernahme durch Joseph Philipp und Nikolaus Goebel (kurzzeitig war auch der dritte Bruder Otto Goebel Mitgesellschafter)

1917: Tod von Nikolaus Goebel im Weltkrieg

1932: Zwangsversteigerung der Fabrik und Fortführung durch Katharina Goebel als Zuckerwarengroßhandlung

Andrang vor den Schaufenstern der Zuckerwarenfabrik L. Goebel ("Zucker-Goebel", Fuststraße 19), um 1930.[Bild: Stadtarchiv Mainz]

Die Goebels gelten als echte „Meenzer“. Bereits der Großvater von Lorenz Goebel betrieb eine Bäckerei, die sein Sohn Nikolaus fortführte. In der Familie waren kreative Talente wie die Ingenieurs-, Schauspielkunst und Malerei vertreten. Im Schaufenster der Konditorei waren selbst gebaute mechanische Schaustücke zu bewundern.

Lorenz‘ Goebels Konditorei in der Augustinergasse wurde u.a. für ihre Himbeerbonbons weit über Mainz hinaus bekannt. Der sechsstöckige Neubau in der Fust- und Gymnasiumstraße war die „größte Zuckerwarenfabrik Hessens“.

Vor dem Ersten Weltkrieg ging die Unternehmensleitung an die Söhne Joseph Philipp und Nikolaus über. Doch Nikolaus starb im Krieg, seine Ehefrau im Kindbett. Ihre Waisen wurden Miteigentümer der Fabrik. Das Geschäft im bis 1930 besetzten Gebiet war schwierig, und die zahlreichen Kriegsanleihen der Familie wurden wertlos. In den frühen 1930er Jahren wurde die Fabrik zwangsversteigert. Die Frau von Joseph Philipp, Katharina, und ihr Sohn Lorenz II. führten das Geschäft in der Fuststraße als Zuckerwarengroßhandlung fort. 

Dr. Ute Engelen, 20.7.2020