Kühnle, Kopp & Kausch AG

1898/99: Gründung von Kühnle, Kopp & Kausch

1997: Übernahme durch Borg Warner Automotive

2006: Übernahme der Bereiche von Kühnle, Kopp & Kausch außer den Aufladesystemen durch Siemens Energy

Das Unternehmen Kühnle, Kopp & Kausch entstand aus drei Einzelunternehmen. Im Folgenden wird zunächst auf deren Entstehungsgeschichten eingegangen, um im Anschluss deren gemeinsame Geschichte schildern zu können.

Zur Vorgeschichte von Kühnle

Im Jahre 1774 erteilte Kurfürst Carl Theodor Georg Friedrich Schrader ein Privileg zum Betreiben einer Glockengießerei in der pfälzischen Stadt Frankenthal.[Anm. 1] Neben den Glocken und anderen Gegenständen stellte Schrader auch Kolbenpumpen her.[Anm. 2] Im Jahr 1845 erwarb Georg Hamm das Unternehmen und brachte es auf den neuesten Stand der Technik. Die Glockengießerei produzierte nun auch Feuerspritzen und Graugussteile.[Anm. 3] Hamm geriet in finanzielle Not und war auf externes Kapital angewiesen.

Georg Adam Kühnle, 1850

Er traf 1847 auf Georg Adam Kühnle, der durch den Handel zu Bekanntheit und Reichtum kam. Er investierte als stiller Teilhaber in die Gießerei Hamms, nahm aber keinen Einfluss auf das operative Geschäft, da es nicht sein Gewerbe war. Doch als Georg Hamm 1849 aus politischen Gründen[Anm. 4] fliehen musste, übernahm Kühnle die Leitung der Maschinenfabrik.[Anm. 5]

Adam Kühnle suchte nach erfahrenen Mitarbeitern und Teilhabern, um das Unternehmen erfolgreich weiterführen zu können. In den Jahren um 1856 sind die technischen Leistungen der Maschinenfabrik auf die Teilhaber Hemmer und Hefft zurückzuführen. Per Vertrag vom 17 Februar 1859 erwarb Kühnle das alleinige Eigentum an der Maschinenfabrik.[Anm. 6]

Am 30. Juli 1863 starb Kühnle im Alter von 67 Jahren. Seine Erben übernahmen seine Geschäftsanteile, jedoch waren sie nicht in der Kühnle‘schen Maschinenfabrik tätig. [Anm. 7] Die Konkurrenz in Deutschland und im Ausland bzgl. der Erstellung von Kesseln und Maschinen stieg. Jedoch bezeichnet sich das Unternehmen in seiner Festschrift von 1949 als führend in der Herstellung des Apparatebaues um 1870.[Anm. 8]

Zur Vorgeschichte von Kopp

1879 kaufte der Ingenieur Hans Kopp aus Frankfurt am Main die Glossier’sche Kesselschmiede in Frankenthal. Er erweiterte das Fertigungsprogramm der Kesselschmiede. In diesem Zusammenhang erhöhte sich die Zahl der Arbeiter bis 1898 auf über 100.[Anm. 9]

Zur Vorgeschichte von Kausch

1866 wurde in Frankenthal die Fabrik Velthuysen’sche Kesselschmiede von Franz Adam Wolff und Jean Tropf gegründet. 1871 übernahm Franz Velthuysen, erst mit zwei Teilhabern später alleine, die Kesselschmiede. Am 25. März 1896 starb Velthuysen und hinterließ sein Werk dem jungen Teilhaber und Ingenieur Rudolf Kausch.[Anm. 10]

Die gemeinsame Unternehmensgeschichte der Aktiengesellschaft

Zur Zusammenführung der drei Firmen in Frankenthal kam es 1898/99. Die Kühnle’sche Fabrik sollte in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden und zog ein Zusammengehen mit den Unternehmen von Hans Kopp und Rudolf Kausch in Betracht, die ähnliche wirtschaftliche und technische Ansätze hatten. Es kam 1898 zu einem Vorvertrag und am 4. April 1899 zur Gründung der Aktiengesellschaft Kühnle, Kopp & Kausch.[Anm. 11]

Die neue Aktiengesellschaft hatte ein Kapital von 2.480.000 Mark. Davon brachte alleine das Kühnle’sche Werk 1.610.000 Mark ein. Die Kopp’sche Kesselschmiede trug 470.000 Mark und die Velthuysen’sche Fabrik 400.000 Mark bei. Die kaufmännische Leitung übernahmen Kopp und die technische Kausch. Carl Eswein von der Kühnle’schen Fabrik übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrates.[Anm. 12]

Nach 1900 kam es in der Metallbranche zu einer Krise[Anm. 13] und so auch in Frankenthal. Um dieser Krise entgegenzuwirken, musste KKK seine Produktpalette ergänzen. Das Unternehmen erwarb eine Lizenz vom Pariser Professor Auguste Rateau entwickelten Turbopumpen- gebläse und Dampfturbinen. Nach anfänglichen Absatzschwierigkeiten zeigte sich, dass KKK mit diesen Produkten einen Vorsprung gegenüber seinen Konkurrenten erzielte. Zudem entwickelte die KKK einen zehnstufigen Verdichter für Schwefeldioxyd, der weltweit verkauft wurde. Die Firma erzielte nach 1900 den überwiegenden Teil ihres Umsatzes mit dem Bau von Turbogebläsen.[Anm. 14]

Kausch und Kopp starben 1910 und 1914. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges[Anm. 15] mussten viele Arbeiter in den Krieg ziehen. Ihre Arbeit übernahmen Frauen sowie Arbeiter aus den besetzten Gebieten. KKK stellte auf Kriegsproduktion um. [Anm. 16] Von 1918 bis 1930 war die Pfalz von den Franzosen besetzt. [Anm. 17] Die Fabriken in Frankenthal erhielten kaum Aufträge, was eine hohe Arbeitslosigkeit nach sich zog. Die Warenausfuhr auf die andere Seite des Rheins wurde unmöglich, da der Rhein als Zollgrenze fungierte. [Anm. 18] KKK profitierte von dem während des Krieges erworbenen Werk in Karlsruhe. Dadurch konnte das Unternehmen durch geschickte Dispositionen Ware in den rechtsrheinischen Gebieten verkaufen. [Anm. 19]

1952: Beginn der Entwicklung und Fertigung von Turbolader bei Kühnle, Kopp & Kausch. Erster Turbolader von Schwitzer im Einsatz in einem Cummins Diesel Racer.[Bild: BorgWarner]

Auch im Zweiten Weltkrieg stellte KKK wieder auf Kriegsproduktion um, fertigte aber nebenbei weiterhin seine eigenen Produkte. [Anm. 20] Einige Produkte wurden unter Tarnnamen hergestellt. Ein Beispiel ist die „Bohrlochpumpe“, in Wirklichkeit wurde das Torpedo-Triebwerk Gt 30 gefertigt. [Anm. 21] Die KKK hatte ein eigenes Entwicklungsbüro, immer wieder produzierte die KKK Neuheiten oder erwarb Lizenzen für externe Entwicklungen. [Anm. 22] Der noch im Ersten Weltkrieg geforderte Bau von Dampfkesseln ließ nach und wurde schließlich ganz eingestellt. KKK erstellte zunehmend Maschinen für die chemische Industrie. [Anm. 23]

In der frühen Nachkriegszeit setzte die KKK die meisten Mitarbeiter zur Reparatur von Lokomotiven ein, da die Auftragslage nicht zuletzt aufgrund der Einteilung in Besatzungszonen schlecht war. [Anm. 24] 1949 erklärte das Unternehmen in der Firmenjubiläumsschrift:

„In guten Zeiten ein Firmenjubiläum feiern, ist keine Kunst. Sich in solchen Jahren der Armut, wie wir sie jetzt erleben, des verpflichtenden Stolzes einer 175jährigen Geschichte und eigener vertrauender Kraft und Verantwortung bewusst zu bleiben und den trümmerversperrten Weg in die Zukunft weiterzuschreiten, deren Gestaltung in den Händen der Heutigen liegt, ist eine Aufgabe, deren Gewicht schwer auf unsern Schultern lastet.“[Anm. 25] Daraus lässt sich schließen, dass die Menschen unter Armut litten und die KKK Zukunftsängste verspürte.

Die Konstruktionsbüros der Firma waren von 1945 bis 1952 von der Besatzungsmacht beschlagnahmt. In dieser Phase hatte die KKK außerdem hohe Ausgaben für die Wiederherstellung der Werkstätten und Maschinen, doch die Kosten konnten mit den Abschreibungen und einem Darlehen gedeckt werden.[Anm. 26]

Schrittweiser Ausbau der Fertigungskapazität in Kirchheimbolanden auf 300.000 Turbolader pro Jahr, 1979-1981[Bild: BorgWarner]

1952 ließ die Schwitzer Company aus Indianapolis bei der KKK in Frankenthal Turbolader entwickeln und fertigen. 1960 nahm KKK die Produktion von Turboladern in einem weiteren Werk in Kirchheimbolanden auf. Gut 20 Jahre später erhöhte KKK die Fertigungskapazität in diesem Werk auf 300.000 Turbolader pro Jahr, von 1986 bis 1990 auf 600.000 Turbolader.[Anm. 27]

Die KKK litt in dieser Zeit unter konjunkturellen Schwankungen, sowie unter gestiegenen Sach- und Personalkosten. Dies betraf in den Jahren 1973-1974 besonders die Baumarkt- und Automobilbranche stark, aber auch den Maschinenbau im Allgemeinen in Deutschland. KKK entließ Personal und die Schulden der Firma stiegen. Doch bald gingen wieder mehr Aufträge ein und die KKK erzielte 1974 im Vergleich zum Vorjahr knapp 20 % mehr Umsatz. Dies hatte die Firma unter anderem ihren guten Beziehungen ins Ausland, insbesondere in die USA und die UDSSR zu verdanken. In diesen Jahren verkaufte KKK erstmals weltweit Mehrstufenturbinen. KKK entwickelte zudem Hilfsantriebe, die im Schiffbau stark gefragt waren. Die Erzeugnisse der KKK in den Jahren 1973/74 waren Gebläse, Dampfturbinen und Abgasturbolader.[Anm. 28]

1997 übernahm BorgWarner Automotive, ein weltweit führender Automobilzulieferer, die Aktienmehrheit an KKK und brachte den Produktionsbereich der Aufladesysteme in die Tochtergesellschaft 3K-Warner Turbosystems GmbH ein. Auch das gleichzeitig erworbene Unternehmen Schwitzer wurde Teil von 3K. Die Fertigungskapazität in Kirchheimbolanden wurde auf 1 Mio. Turbolader pro Jahr erhöht, 1998 auf 1,5 Millionen. In diesem Jahr wurde auch der zehnmillionste Turbolader in der Geschichte von KKK produziert. 2002 wurde die Tochtergesellschaft 3K-Warner Turbosystems GmbH in BorgWarner Turbo Systems GmbH unbenannt.[Anm. 29]

2006 erwarb Siemens Energy den übrigen Teil der Aktiengesellschaft Kühnle, Kopp & Kausch. Sie produzieren alle anderen Produkte von KKK, wie Dampfturbinen, Ventilatoren und Verdichter, unter ihrem Namen weiter.[Anm. 30]

von Michèle Walla, April 2014

Anmerkungen:

  1. Vgl. Homepage der Stadt Frankenthal. Zurück
  2. Vgl. Kühnle, Kopp & Kausch, 175 Jahre, S. 11-13, 15. Zurück
  3. Vgl. Maus, Frankenthal, S. 240f. Zurück
  4. Hamm hatte sich am pfälzisch-badischen Aufstand beteiligt und war zudem stellvertretender Bezirkskommissar in Frankenthal, als der Aufstand scheiterte, wurde er angeklagt. Vgl. Amberger, Frankenthal, S. 35f., 40. Zurück
  5. Vgl. Kühnle, Kopp & Kausch, 175 Jahre S. 21. Vgl. Maus, Geschichte, S. 241. Zurück
  6. Vgl. Kühnle, Kopp & Kausch, 175 Jahre, S. 25-27. Zurück
  7. Vgl. ebd., S. 29-31. Zurück
  8. Vgl. ebd., S. 33. Zurück
  9. Vgl. ebd., S. 37. Zurück
  10. Vgl. ebd., S. 39-43. Zurück
  11. Vgl. ebd., S. 53. Zurück
  12. Vgl. ebd., S. 55. Zurück
  13. Vgl. Baten 2001, S. 11. Zurück
  14. Vgl. Kühnle, Kopp & Kausch, 175 Jahre, S. 61, 63. Zurück
  15. Vgl. ebd., S. 67, 69-73. Zurück
  16. Vgl. Maus, Geschichte, S. 124f. Zurück
  17. Vgl. Kühnle, Kopp & Kausch, 175 Jahre, S. 91. Zurück
  18. Vgl. Maus, Geschichte, S. 132. Zurück
  19. Vgl. Kühnle, Kopp & Kausch: 175 Jahre, S. 69-73, 91. Zurück
  20. Vgl. ebd., S. 69-73, 91. Zurück
  21. Vgl. Nestler, Frankenthal, S. 291. Zurück
  22. Vgl. Kühnle, Kopp & Kausch, 175 Jahre, S. 83, 85. Zurück
  23. Vgl. ebd., S. 87. Zurück
  24. Vgl. Kühnle, Kopp & Kausch AG, Geschäftsberichte zur DM- Eröffnungsbilanz zum 21. Juni 1948 und für das 51. und 52. Geschäftsjahr vom 21. Juni 1948 bis 30. September 1950. Frankenthal. Vgl. Nestler, Frankenthal, S. 297. Zurück
  25. Kühnle, Kopp & Kausch, 175 Jahre, S. 95. Zurück
  26. Vgl. Kühnle, Kopp & Kausch AG, Geschäftsbericht für das 54. Geschäftsjahr vom 1. Oktober 1951 bis 30. September 1952. Zurück
  27. Vgl. http://www.3k-warner.de/de/company/history.aspx (12.1.2014). Zurück
  28. Vgl. Kühnle, Kopp & Kausch AG, Geschäftsbericht für das 76. Geschäftsjahr vom 01. Oktober 1973 bis 30. September 1974. Frankenthal, S. 5, 19. Zurück
  29. Vgl. http://www.3k-warner.de/de/company/history.aspx (12.01.2014). Zurück
  30. Vgl. http://www.energy.siemens.com/hq/de/former-agkkk.htm (12.01.2014). Zurück