Industriegeschichte von Maikammer

Die Industriegeschichte von Maikammer ist ohne die Familie Ullrich kaum vorstellbar. Anfang des 18. Jahrhunderts gründet der aus Deidesfeld stammende Schneider Leonhard Ullrich ein Handelsunternehmen in Maikammer, in dem er Lebensmittel, Textilien und Kellereiartikel anbot. Seine Söhne Franz und Anton übernahmen den „Landhandel“ 1851 und begannen parallel dazu mit der Herstellung von Maßstäben, die Vorläufer des heutigen Zollstocks. Außerdem gründeten die Brüder Anfang der 1870er Jahre ein Emaillier- und Stanzwerk zur Produktion von verzinntem Blechgeschirr.

Fabrikansichten der Standorte Maikammer, Kirrweiler und Schifferstadt um 1915, die u.a. auf Firmepapierbögen abgedruckt wurden.[Bild: Markus Hener / Club Sellemols]

Die Nachfrage an Arbeitskräften für das Unternehmen, dessen Artikel bis nach London und Paris exportiert wurden, zog viele Familien aus dem Umland nach Maikammer, was die soziale Zusammensetzung der Gemeinde veränderte. Viele Protestant:innen siedelten sich im katholisch geprägten Ort an, was die Errichtung einer lutherischen Kirche nötig machte. Darüber hinaus entwickelte sich die Fabrikarbeit für viele Haushalte zur Haupterwerbsquelle, obwohl nebenbei weiterhin Weinbau und Landwirtschaft betrieben wurden. Neben der Sozialstruktur wandelte sich auch das Aussehen der Gemeinde. So entstand ein großzügiger Fabrikkomplex mit nahegelegenen Wohnungen für Arbeiter:innen. 1928 musste die Fabrik Konkurs anmelden. Allerdings besteht in der nahegelegenen Gemeinde Annweiler die von Gustav Ullrich – einem Sohn von Franz Ullrich – gegründete Zollstockfabrik bis heute unter dem Namen Stabila.

Weitere Informationen zur Industriegeschichte Maikammers und der Familie Ullrich erhalten Sie unter https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-305422.